Es wird schwieriger

Von Leon bin ich Richtung Norden aufgebrochen. Statt mit dem Expressbus bis Estelí, auf den ich eine Stunde hätte warten müssen, bin ich in San Isidro umgestiegen. Ich glaube, der Expressbus hat uns überholt. In Estelí bin ich direkt weiter nach Somoto gefahren. Für vielleicht 180km habe ich 6 Stunden gebraucht. Man merkt hier im Norden sofort, dass der Tourism ausbaufähig ist. Somoto hat nur einfachste Herbergen, im Wesentlichen Comedors, wo man sich für 2€ mit Essen und Trinken eindecken kann. Dafür sind es einfache Hütten mit geringer Auswahl. Vielleicht gibt es auch ein paar Restaurants. Leider gibt es nicht immer eine vegetarische Auswahl, selbst in Gallo Pinto (Reis mit roten Bohnen) ist manchmal noch Hühnchen mit drin. Die Gäste meiner Herberge waren ausschließlich männlich und entweder Handwerker oder Fernfahrer auf der Panamericana. Immerhin kam sporadisch Wasser aus der Dusche. An englisch war nicht ansatzweise zu denken, und da das Spanisch hier selbst Spanier nicht gut verstehen, hatte ich erst recht keine Chance. Langsam und deutlich zu sprechen schien auch zu viel verlangt. Aber schließlich hatte ich nach etwas Suche doch ein Abendessen, eine erfrischende Dusche, und da es hier nicht so heiß ist, konnte ich auch ohne Fenster einigermaßen schlafen. Auch mein Guide war eher wortkarg, obwohl er gut englisch gesprochen hat. Wäre ich nicht durch den Cañon de Somoto gekommen, ich hätte den Abstecher glatt bereut.

Das touristische Potenzial des Cañon wurde erst 2003 von tschechischen Wissenschaftlern entdeckt, und es ist bis heute eher ruhig. Meine Tour ging oberhalb des Cañons los, alleine mit meinem Guide und auf Nica-Art mit Schuhen, Hose und Rettungsweste über Stock und Stein – und etwa die Hälfte der Strecke musste geschwommen werden. Immer wieder waren Kühe, Pferde, Esel und ihre Cowboys am Wasser, die Dorfjugend zum Plantschen oder Wäsche waschen, was hier Männlein wie Weiblein gleichermaßen tun.

Felswände und Berghänge haben sich abgewechselt bis wir schließlich die ersten Touristen gehört haben, die meistens von der anderen Seite kommen und nur den höchsten Teil des Canons sehen. Hier ist die Schlucht bis zu 160m hoch und teilweise gerade mal 10m breit. Und da die Sonne hier sehr hoch steht ist es trotzdem nicht zu dunkel. Vom Canon wurden wir dann ein Stück gerudert, bis wir noch eine halbe Stunde zur Gemeinde laufen mussten. Dort gab es in einem Comedor noch ein wirklich leckeres Mittagessen, sodass alles andere vergessen war. Erst in Somoto habe ich dann beschlossen, doch noch nach Estelí zurück zu fahren, wo es zwei Hostels gibt und Menschen, mit denen ich mich besser verständigen konnte.

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