Highlight 2

Den Bus um 6h morgens nach Miraflor wollte ich dann doch nicht nehmen, ich hatte doch zu wenig Pause die letzten Tage und merke – das klingt vielleicht blöd – mir rennt die Zeit davon. Es gibt hier so viel zu sehen und ich wollte doch schon in Costa Rica sein. Da ich auf dem Weg nach Somoto das Schild für das Schutzgebiet Miraflor gesehen habe dachte ich, da fahren ja ständig Busse. Erst im Bus wurde mir langsam klar, dass es ein Fehler gewesen sein könnte. Der „Collector“ war auch keine Hilfe, wollte sogar noch, dass ich wieder bis Somoto bezahle. Erst andere Fahrgäste haben den dummen Jakob auf die Idee gebracht, den nächsten Ort Condega zu nennen. Und einer hat mir dann noch gesagt, wo ich aussteigen soll. Von hier bin ich los gelaufen, in der Hoffnung, ein Stück trampen zu können. Nach einer Stunde Fußmarsch kam ich auf ca. 800m Höhe an das Flüsschen Estelí, wo es deutlich grüner wurde. Ein erstes Schild hat wieder auf das Schutzgebiet hingewiesen, sodass ich ein bisschen Hoffnung hatte, bald da zu sein. Vermutlich 700m höher und 2 Stunden später, in denen ich ich lediglich von wenigen, voll besetzten Motorrädern überholt wurde, konnte ich endlich den Daumen raus halten. Ein Pickup hat mich mitgenommen. Nach einigem hin und her hat der Fahrer verstanden, dass ich zum Bus wollte. Ich glaube, es hat ihm ein bisschen Spaß gemacht mit zu erklären, dass es hier 54 Gemeinden auf 44km2 gibt und dass ich ohne ihn wohl nie angekommen wäre, zumal ich nicht mehr viel Wasser hatte. Nach ein paar Stunden auf seiner schönen Finca und einem einfachen, aber leckeren Mittagessen und Kaffee aus der Nähe hat er mich noch zum Bus gefahren. Auch die Busfahrt war ein Erlebnis für sich. Das Dach wurde unterwegs voll beladen mit Zwiebelsäcken und großen Heusäcken, die immer wieder Äste von den Bäumen rissen. Die teilweise extreme Steigung hatte ich den alten amerikanischen Schulbussen auch nicht zugetraut.

Miraflor ist deshalb so spannend, weil es sich über drei Klimazonen erstreckt. Unten war es nur um den Fluss grün, auf einer gewissen Höhe gab es viele trockene Bäume mit wenigen, braunen Blättern, von denen massenweise trockene Geflächte herab hingen. Wer einen Fantasy-Film drehen möchte sollte sich Miraflor anschauen. Oberhalb dieser Bäume wurde es grün, plötzlich gab es Kiefern, grüne Weiden, dichte Urwälder, Kaffeeanbau im kleinen Rahmen. Nutzvieh ist deutlich kräftiger, es gibt kleine Tümpel und Reiher. Da ich ohne Guide auf den wegen geblieben bin habe ich hauptsächlich Vögel beobachten können, und im niedrigeren Teil die Grillen gehört, die hier ohrenbetäubend sein können. Die tolle Landschaft, die angenehmen Temperaturen und vor allem die Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft und der Einblick in das einfache Leben auf der Finca waren ein Highlight. Erstaunlich, dass die meisten Touristen nicht in diese Gegend kommen. Die weißen „Gringos“, wie hier nicht nur die historisch unbeliebten Amerikaner genannt werden, sind hier oft Volunteers oder Entwicklunghelfer, wenn man überhaupt welche trifft.

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Ich bin inzwischen, 6 Tage später, in Costa Rica. Aus 2 Wochen Nicaragua sind drei geworden und es hat mich sehr gereizt, noch zu bleiben. Es gäbe noch viel zu sehen. Einträge der letzten Tage folgen…

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