Matagalpa und Jinotega

Nach Miraflor habe ich mir einen gemütlichen Tag gegönnt und bin nur etwa 1,5 Stunden nach Matagalpa gefahren. Man hat hier den Eindruck, dass der Kaffeeanbau einmal einen bescheidenen Wohlstand gebracht hat, die heutigen Preise aber nicht reichen, um diesen zu halten. Stattdessen gibt es große Viertel, die von absoluter Armut geprägt sind. Dank seiner Lage in einem engen Tal zieht sich die Stadt dennoch malerisch die Hänge hinauf. Der Tourismus bewirbt Touren auf Kaffeeplantagen, die hier aber recht groß sind. Daher hat es mich am nächsten Morgen tiefer in die Berge gezogen. In einem kleinen Dorf habe ich in einer eco-lodge geschlafen, die sich offensichtlich auch um die Erwachsenen-Bildung kümmert. Hier konnte ich gemütlich zwischen Kaffee-Pflanzen und Bananen-Stauden schlendern, die Ruhe und die kühle Luft genießen. Neben Kaffee wird hier auch viel Salat und Gemüse angebaut, das im ganzen Land verkauft wird.
Unangenehm war, dass mir immer wieder nahe gelegt wurde, eine private Hütte zu nehmen, ohne mir Vorteile oder den korrekten Preis zu nennen und ohne langsam und deutlich zu sprechen, damit ich eine Chance habe, etwas zu verstehen. Erst eine junge Kollegin, und scheinbar etwas höher gestellt, hat mir dann abends erklärt, dass die Hütten warmes Wasser haben und für eine Person nur 15 Dollar kosten, also nicht 25 wie mir zuvor gesagt wurde. Umziehen konnte ich trotzdem nicht mehr, geduscht hatte ich eh schon, und alleine war ich auch. Also blieb es bei überraschenden 5 Dollar – selbst hier wenig. Und 2 Dollar für das Abendessen. Und ein paar nicaraguanische Vokabeln hat sie mir auch noch beigebracht. Meine anfängliche Enttäuschung war vergessen.
Da der Ort (La Fundadora) etwas abgelegen ist bin ich mit einem Pickup hin getrampt, auf der Ladefläche stehend wie die Nicas. Und morgens um halb sieben, als ich auf einen der wenigen Busse gewartet habe, wurde ich wieder auf eine Pickup-Fahrt eingeladen. Erst an der Strasse zwischen Matagalpa und Jinotega habe ich dann doch den Bus genommen und musste leider stehend auf den reizvollen Ausblick auf nebligen Wald verzichten. Bis zur Ankunft in Jinotega war es wieder sonnig und heiß.
Da in diesem Tal wieder alles trocken war bin ich nach einem kurzen Trip durch die Stadt und einem wirklich guten Cappuccino – sehr selten hier – mit dem Bus gen Süden aufgebrochen und tatsächlich kurz nach Einbruch der Dunkelheit in San Carlos, also kurz vor der Grenze zu Costa Rica, angekommen. Die Busfahrt war lang und im zweiten Bus musste ich fast 5 Stunden stehen. Als dann der Bus so voll wurde, dass selbst aus dem Mund der sonst ruhigen Nicas ein paar Flüche zu hören waren, lief ich wenigstens nicht mehr Gefahr, stehend einzuschlafen, geschweige denn umzufallen. Die längste Busfahrt war also gleichzeitig die ungemütlichste.

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