Nicaragua und Costa Rica

Kulturschock: Inzwischen bin ich seit drei Tagen in Costa Rica, bin aber „nur“ in La Fortuna gewesen, einem sehr touristischen Ort. Vielleicht fällt mein Vergleich daher zu früh aus, aber ich glaube, ich kann mich nicht zu sehr irren. Während ich in 3 Wochen in Nicaragua maximal 3 modernere Reisebusse gesehen habe, standen direkt zwei Stück am gering genutzten Grenzübergang Los Chiles. Die alten amerikanischen Schulbusse fahren hier nur ganz selten und sind unter Umständen eher Touristen-Attraktionen als wirkliche Transportmittel. In den Überland-Bussen gibt es wohl keine Hühner, die mitgenommen werden, sie sind nicht so überfüllt und es gibt nur den Busfahrer, der sich um alles kümmert. Die Haltestellen haben in der Regel ein Dach und sind somit erkennbar, während man sich in Nicaragua einfach an die Strecke stellt und den richtigen Bus dann per Handzeichen stoppt. Und statt eine große Traube zu bilden sortiert sich alles schnell in einer Reihe, wenn der Bus ankommt.
Auch sonst scheint alles sehr viel geordneter. Es gibt wesentlich weniger Straßenverkauf, dafür Supermärkte, wo nicht nur die Reichen einkaufen.
Auch die Landwirtschaft ist größer und moderner organisiert. Simple Maschinen wie z.B. Motorsensen fallen durch ihren Lärm auf, Höfe haben teilweise große Maschinenhallen mit Mähdreschern, Felder sind wesentlich größer und klar begrenzt. Es gibt Gated Communities und Luxus-Hotels.
Auch Wohnhäuser sind in einem besseren Zustand und oft größer als im Nachbarland. Das Land lebt seit langem in Frieden, verzichtet auf Militär und drückt dies stolz in dem omnipräsenten Gruss „pura vida“ aus. Es gibt auch ein großes Bewusstsein dafür, wie wichtig eine intakte Umwelt ist: für das Klima, den landwirtschaftlichen Ertrag und somit Export und den Tourismus. Fremde Arten wie Eucalyptus, die dem Grundwasserspiegel schaden, sollen längerfristig wieder entfernt werden. Tatsächlich ist das Land wesentlich grüner, vor allem in den tieferen Lagen.
Das größere ökologische Bewusstsein zeigt sich auch im Umgang mit dem Müll. Während in Nicaragua häufig der Müll aus dem Busfenster geworfen wird, gibt es hier manchmal Schilder, die dies verhindern sollen. Man sieht tatsächlich viel weniger Müll. Auch die moderneren Fahrzeuge sorgen für bessere Luft, in Nicaragua wollte man doch manchmal lieber nicht zu tief einatmen.
Der deutlich höhere Standard führt aber zu teilweise europäischen Preisen, man sieht Bäume aus Plastik, sogar in manchen Hostels, die entsprechendes Publikum anlocken. „Backpacker“ mit Mietwagen habe ich in ganz Nicaragua nicht getroffen, hier einige.
Für mich als Tourist war das Reisen in Nicaragua sicher schwieriger. Das Essen wurde insbesondere in den günstigen „comedors“ wenig gewürzt, in den hier „soda“ genannten Schnellrestaurants schmeckt man schon eher Gewürze heraus. Dafür kosten hier frische Säfte gleich ein paar Dollar und damit ein vielfaches mehr.
Die Gruppengröße bei geführten Touren ist deutlich größer, bei teureren Preisen. Darunter leidet die Qualität der Erlebnisse, sodass die schweißtreibende Tour durch den Regenwald auf dem Vulkan Cerro Chato mit Schwimmen im Kratersee, unter einem Wasserfall und in einem heißen Bach bei Kerzenschein keinen eigenen Beitrag bekommen. Vielleicht muss ich das Land doch mehr auf eigene Faust erkunden, auch wenn ich dafür nur noch sehr wenig Zeit habe. In einer Woche muss ich aus Boot nach Kolumbien.

Bilder folgen bei Gelegenheit in Kolumbien…

Advertisements