Cartagena

Nach etwa 30 Stunden über das offene Meer, wo allenfalls mal ein Containerschiff am Horizont zu sehen war, haben wir uns Cartagena genähert. Kurz nach Sonnenuntergang war zuerst das Licht der Stadt zu sehen. Dann waren Hochhäuser erkennbar, später dann die Lichter von Fahrzeugen und das Logo einer großen Hotelkette. Wir hatten inzwischen die Segel gehisst, waren aber trotzdem kaum schneller als mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs, sodass sich dieser Fortschritte über Stunden hinzogen.
Nach der Nacht im Hafen konnte ich die Stadt erkunden. Cartagena hat die Spannung zwischen altem Kolonialstil und riesigen Vierteln mit Wolkenkratzern à la Miami, die ich in Panama City verpasst habe. Wobei die Wolkenkratzer dort wohl interessanter sind. Die Altstadt ist sehr touristisch, aber nicht so, dass es stört. Nur manche Straßenhändler sind aufdringlich, aber das ist auch in abgelegenen Ecken so. Belohnt wird man mit wunderschönen Straßen, einer tollen Atmosphäre, leckerem Streetfood und guten Restaurants, sowie viel Streetart. Auch die Kolumbianer sind sehr nett und hilfsbereit. Man sollte natürlich trotzdem aufpassen, dass man nicht abgezockt oder bestohlen wird.
Am 2. Tag kam Lydia dazu, mit der ich jetzt durch Kolumbien reise. Als ich ihr den Park zeigen wollte, mit kleinen Buchläden in Blechhütten und ein paar Tieren wurden wir von einem Leguan angespritzt, der sein Geschäft in einem Baum über einer Laterne gemacht hat. Der folgenden Wurst konnten wir zum Glück noch ausweichen. Noch mehr Spaß hatten wir später im Partybus, wo wir uns mit den Amerikanern vom Boot verabredet hatten. Mit Live-Musik und Moderation ging es durch die Nacht, eine alte, aufgetakelte Kolumbianerin hat für Stimmung gesorgt und wir waren belustigt darüber, dass wir so etwas eigentlich nie machen würden. Wir waren mit ein paar Leuten aus Bosnien die einzigen Europäer im Bus. Danach ging es noch in einen Club, wo wir schnell das Weite gesucht haben. Nach zwei erfolglosen Versuchen in anderen Clubs – Shorts und flipflops gehen ja gar nicht – sind wir per Zufall auf eine Party gestoßen, wo sich verschiedene Musiker präsentierten. Als zum Abschluss ein ganz schlechter DJ keinen Übergang sauber gelöst hat sind wir noch in eine Kneipe gegangen.
Als wir gegen 3 Uhr morgens ins Hostel kamen hatte uns ein Starkregen komplett durchnässt, das Wasser strömte mehr als knöchelhoch durch die Straßen und wir waren fasziniert davon, wie stark es schütten kann. Mein erster richtiger Regen seit meinem Abflug aus Deutschland.
Cartagena hat wirklich keinen schönen Strand, nur ein bisschen im Bereich der Hochhäuser und nur mit roten Fahnen. Hier findet sich kaum ein Tourist ein. Wir haben ihn trotzdem getestet und konnten uns ganz gut von der Nacht erholen. Hier gehen die Einheimischen, zum Teil in normaler Kleidung, baden. Es kommt ständig ein Straßenhändler vorbei, sodass es an nichts mangelt.
In Panama hatte ich mir den Bart trimmen lassen, leider nicht ganz nach meinen Vorstellungen. Ein Barbier mit Hitlerbart hat ihn mir unter einem Baum eines Hinterhofs komplett entfernt. Ein Luxus, den man sich gönnt, wenn ein 3-Klingen-Rasierer nicht durch das Unkraut kommt.
Da es am nächsten Tag geregnet hat haben wir spontan beschlossen, statt zum schöneren Strand Playa Blanca doch schon Richtung Osten nach Santa Marta zu fahren und den Strandtag nachzuholen.
Nachdem ich noch zu Lydia gesagt habe, dass ich keine Wertsachen im kleinen Rucksack habe, war ich dann doch überrascht, dass er gleich bei der ersten Busfahrt in Kolumbien aus der Ablage gestohlen wurde. Man überlegt sich dann leider doch, was alles drin war… Solange es der einzige größere Verlust ist bin ich noch zufrieden. Ich war nach 4 ruhigen Wochen in Zentralamerika wohl unvorsichtig geworden.

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

image

Advertisements