Highlight 6 Ciudad Perdida

Die Ciudad Perdida in der Sierra Nevada de Santa Marta ist eine ehemalige Stadt der Tayrona, einem früheren indigenen Volk im Norden Kolumbiens. Die erste Begegnung mit den Spaniern war friedlich, es kam zu einem großen Goldhandel. Die Spanier wussten jedoch nicht, dass dem Gold, wie hier üblich, 70% Kupfer beigemischt war und stellten dies erst fest, als sie in Spanien waren. Ihren ersten Rache-Feldzug mussten sie mit Verlusten abbrechen, da Ihnen die Tayrona in dem unwegsamen Gelände hoch überlegen waren. Das dritte Mal brachten sie verseuchte Kleidung mit, die sie den Tayrona freundlich anboten. Die folgende Seuche erklärten sich die Tayrona mit einem Fluch, der auf der Stadt lag. Sie mussten die Stadt aufgeben und teilten sich überdies in 4 Stämme auf, die bis heute an verschiedenen Stellen in den Bergen leben. Über Ihr Leben ist wenig bekannt, da selbst Anthropologen kaum Zugang haben. So wird z.B. auch die Ciudad Perdida 2 Wochen im Jahr für ein traditionelles Fest genutzt, zu dem Außenstehende keinen Zugang haben.

1973 wurde die Ciudad Perdida von Schatzsuchern „entdeckt“ und jahrelang geplündert. Erst 3 Jahre später wurde die Regierung in Bogotá darauf aufmerksam. Deren Hubschrauberpiloten konnten sie jedoch im dichten Urwald nicht ausfindig machen und behaupteten, die Stadt sei perdida, also verloren.

Von den Häusern sind heute nur noch die Grundmauern zu sehen, da Wände und Dach nur aus Holz, Lehm und Palmwedeln gebaut wurden. Auf der Wanderung ist jedoch ein Dorf in der ursprünglichen Bauweise zu sehen, sodass man sich die alte Stadt ganz gut vorstellen kann. Die Hauptgebäude sind inzwischen von Bäumen und Büschen befreit, sodass man hier auch einen guten Überblick über das Stadtzentrum hat. Im umgebenden Dschungel sind überall alte Sockel zu sehen, die längst überwuchert sind. So ist die Größe der Stadt nicht einmal erahnbar. Während früher auch Hubschrauber mit Touristen auf den alten Ruinen gelandet sind, kommen heute nur noch Militärhubschrauber. Über der Stadt ist ein kleines Camp mit gut getarnten Soldaten, die hier für Sicherheit und Ordnung sorgen.

Wir mussten insgesamt 4 schweißtreibende Tage durch den Dschungel wandern. Da nicht jeder bereit ist, diese Strapazen auf sich zu nehmen, ist das Touristenaufkommen noch überschaubar. Leider war unsere Gruppe jedoch recht groß. Auch der Regen war zwar angenehm, das Wetter jedoch so feucht, dass die Kleidung auch über Nacht kaum trockener wurde. Doch die Schönheit der Landschaft und des Ziels sind Lohn genug.

Das Tempo war so hoch, dass man von der Tierwelt wenig gesehen hat. Lediglich einen Brüllaffen (sieht hier anders aus als in Nicaragua), Geckos, ein paar Vögel und domestizierte Tiere konnte ich sehen. Die Schweine hatten überraschende Züge von Wildschweinen. Sowohl die Farbe, als auch die Kopfform entsprechen nicht unseren rosa Hausschweinen. Ich glaube, ich wurde in Nicaragua und Costa Rica so von der Flora und Fauna verwöhnt, dass meine Erwartungen hier ohnehin nur enttäuscht werden konnten.

Viel gelernt haben wir über das Leben der Einheimischen, insbesondere der Kogi. Der „Mamo“ ist deren Oberhaupt, lebt direkt neben der Ciudad Perdida und ist bereit, die Touristengruppen zu empfangen, auch wenn er dabei nicht gerade begeistert aussieht. Er hat viele Aufgaben, auf die er als ältester Sohn des Mamo etwa 18 Jahre vorbereitet  wird. Er lernt die traditionelle Medizin und wird zum Ratgeber aller Art.

Männer tragen in der Regel zwei Taschen, die sogenannten Mochilla. In der einen befindet sich der Poporo, ein ausgehöhlter Kürbis zum aufbewahren von Pulver aus Muscheln, die am weit entfernten Strand gesammelt werden. Der erste Poporo wird dem 17-Jährigen Mann durch den Mamo überreicht und ist ein Leben lang zu bewahren. Wer diesen ersten Poporo verliert oder beschädigt gilt als verantwortungslos, was einem hohen Ehrverlust gleichkommt. In der anderen Tasche werden Coca-Blätter aufbewahrt. Bei einer Begegnung mit einem anderen Mann wird eine Handvoll Blätter ausgetauscht, um dem Gegenüber Ehre und Respekt zu erweisen. Und natürlich werden diese auch ständig gekaut und mit dem Muschel-Pulver ergänzt. Reste am Stab werden dann am Hals des Poporo aufgetragen. Mit diesem Poporo kann ein Mann mit seinen Problemen zum Mamo gehen. Dieser liest die Struktur der entstandenen Oberfläche und kann entsprechende Ratschläge geben. Kaffeesatzleserei auf Kogi quasi.

Die Geschlechterrollen sind bis heute klar verteilt, und das, obwohl man sich oft genug fragt, ob eigentlich ein Junge oder ein Mädchen vor einem steht. Denn bis zur Geschlechtsreife laufen alle in den gleichen Kleidern herum. Da Haare ebenfalls ein wichtiges Symbol haben, laufen alle mit langen Haaren herum. Fast alle, denn eine hohe Strafe ist das Schneiden der Haare, z.B. wenn ein Mensch versucht, aus der Sierra Nevada de Santa Marta zu fliehen und ein modernes Leben zu führen. Ein Versuch, den hauptsächlich Frauen wagen, ist ihr Leben doch ungemein schwerer als das der Männer. Während Frauen viele Kinder gebären sollen, und schon mit 13 Jahren verheiratet werden, sie sich um Feldarbeit und Kochen kümmern, die Koka-Pflanzen der Männer pflegen, beschränken sich letztere auf den Hausbau, das Anpflanzen der Koka-Pflanzen und deren Konsum, der natürlich viel Zeit in Anspruch nimmt, während die Frau in ihrem Haus den Rauch zum Kochen einatmet. Ihre Lebenserwartung ist also wesentlich kürzer als die des Mannes, der das Recht hat, eine zweite Frau zu heiraten, wenn die erste stirbt oder unfruchtbar wird. Ist letzteres der Fall, darf die Frau die zweite Frau wählen. Früher hat noch der Mamo die Paare gewählt. Eine Frau wurde in der Regel mit 13 Jahren, ein Mann mit 17 Jahren verheiratet, nachdem sie jeweils bei älteren Menschen lernten, welche Aufgaben sie erfüllen müssen.

Es gibt immer ein Haus für die Männer der Familie, inklusive Jungs ab 6 Jahren. Bis zu diesem Alter lernen jungen im Haus der Frauen, wo gekocht wird. Da der Mann eher angegriffen wird hat sein Haus zwei Türen, während das der Frau nur eine hat. So wird auch gleich klar, wer welches Haus zu betreten hat.

Nach 4 Tagen kamen wir zurück in die Zivilisation. Der letzte Tag war der mit Abstand anstrengendste. Wir wollten nur noch ankommen, und doch ist die letzte Etappe die längste. Schließlich haben es aber doch alle geschafft und wir haben uns sehr auf saubere und trockene Kleidung gefreut.

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