Highlight 7 Cabo de la Vela

Viel Aufwand für wenig Aufenthalt: die Reise nach Cabo de la Vela, zumindest ohne Touri-Tour, ist recht aufwendig. Von Palomino bin ich mit einer Engländerin losgezogen. Sie hatte mir davon erzählt, und es klang so gut, dass ich spontan mitgefahren bin. Es klang so, als könnte es wirklich etwas sein, das ich so auf der Reise noch nicht gesehen habe.
Auf der Busfahrt nach Riohacha haben wir uns während einer Motorpanne mit Franzosen unterhalten, die den selben Plan hatten aber meinten, es wäre zu spät, um noch ans Kap zu kommen. Ich glaube, sie hatten Recht. Also eine Nacht in einer Stadt, die außer einem eher langweiligen Strand nichts zu bieten hatte. Das Frühstück war dann dank Stromausfall etwas mager, aber die Vorfreude groß und die Laune gut.
Nach einer guten Stunde Autofahrt kamen wir nach Uribia, einem kleinen Handelsort. Während es derzeit in der Sierra Nevada viel regnet, ist es hier trocken und flach. Die Bäume werden kleiner, die Bananen-Plantagen enden, die Kakteen werden größer und das Gras trockener. Die Fahrt nach Uribia folgt zuerst der Straße nach Venezuela, bis man kurz vor einem Bahnübergang links abbiegt und den schnurgeraden Gleisen folgt. Gleise für einen Güterzug, der Kohle zum Puerto Bolivar bringt, wo sie auf große Frachter verladen wird.
Von Uribia geht es nur noch mit Allrad weiter, im Pickup, der immer mal hält und Leute oder Ladung absetzt. Erst noch an der Bahnstrecke, dann irgendwann über holprige Pisten durch den Busch. Bäume gibt es kaum noch, die Kakteen werden kleiner und trockener, vom Regen aufgefüllte Tümpel verschwinden ebenso wie die letzten Reiher und Ziegenherden. Ab und zu gibt es Hütten, dann und wann eine Schule und mehr „Tankstellen“ als Märkte, wo golden schimmernde Colaflaschen auf den nächsten leeren Motorrad-Tank warten. Die anderen haben vom Paradies gesprochen; ich bin sehr beeindruckt, aber das Leben stelle ich mir eher wie in der Hölle vor. Es entsteht gerade ein bisschen Tourismus, aber der steckt noch voll in den Kinderschuhen. Wovon die Menschen also leben, angesichts der Tatsache, dass es hier seit 4 Jahren nicht geregnet hat? Wahrscheinlich hat jede Familie einen Arbeiter im Kohlewerk, das aber auch weit entfernt ist. Vielleicht gibt es auch tatsächlich etwas Fischhandel.
Unsere Unterkunft (Hängematte, Eimerdusche für ca. 3,30€), war in einem Fischerdorf, das sich weit am Strand entlang zieht. Hier haben wir uns auf dem Motorrad zu verschiedenen Orten bringen lassen, wo nach kurzer Ruhe doch erstaunlich viele Menschen kamen. Die Küste könnte in Irland sein, wenn sie denn mehr als nur einen Hauch Vegetation zu bieten hätte. Es ist wahrscheinlich viel heißer als in den Bergen, aber die trockene Luft und der starke Wind machen es erträglich. Eher schmerzt der aufgewirbelte Sand, der mit Wucht auf die nackten Beine peitscht. Und unser Wasservorrat war schnell verbraucht.
Die Fahrer ließen uns an zwei Stellen alleine, und kamen jeweils etwa 1,5 Stunden später wieder. Erst am Pilon de Azucar, dann in der Nähe eines sogenannten Leuchtturms, der nicht mehr war als eine Stahlkonstruktion mit einem Licht oben drauf. Hier haben wir auf den eher unspektakulären Sonnenuntergang gewartet. Die Fahrt auf den Motorrädern in der Dämmerung war umso beeindruckender. Der Staub des vorausfahrenden Motorrads war noch gut sichtbar, der Himmel wurde immer roter, bis wir im letzten Licht wieder an der Herberge ankamen. Beim anschließenden Bad im Meer war es fast ein bisschen kalt.
Da mir langsam die Zeit davon lief bin ich am nächsten Morgen um 5h zurück nach Uribia gefahren, zusammen mit den beiden Franzosen, dem Kanadier und einem kolumbianischen Pärchen. Gerne wäre ich noch bis zur Punta Gallina gefahren, wo 60m hohe Sanddünen direkt ins Meer führen.
Zu fünft haben wir dann ab Uribia noch ein SUV-Taxi geteilt. Der Fahrer sollte uns noch nach Manaure bringen, also nicht den direkten Weg zurück. In die Meersalz-Anlage konnten wir leider nicht, sodass wir die Fahrt fortsetzten. Inzwischen saß ich im Kofferraum, weil wir zu viert auf der Rückbank doch zu eng saßen und den anderen noch schlecht war von der Fahrt auf dem Pickup. Als der Fahrer des in Venezuela registrierten Autos sich dann noch offensichtlich verirrt hatte waren wir alle beunruhigt, haben uns darüber aber erst hinterher unterhalten. Letztlich kamen wir heile in Riohacha an und konnten noch bis Santa Marta zurück fahren, im wohl komfortabelsten Bus der ganzen Reise.
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