Regeln sind dafür da…

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…gebrochen zu werden. Und so sitze ich schon am zweiten Tag hinten bei den Frauen im Bus. Nicht wegen der langen Haare, versteht sich. Aber der Reihe nach:

Ich bin morgens um 6:15h mit Narnia (19) an einer U-Bahn-Haltestelle verabredet. Über Couchsurfing. Ich hatte dort eine öffentliche Frage nach einer Wanderung in den Bergen gepostet. Nazgol (21) hatte darauf geantwortet und mich zu ihrer kleinen, iranischen Gruppe eingeladen. Freitag ist wie unser Sonntag und um 6h morgens durch die Straßen zur Metro zu laufen eine ganz neue Erfahrung. Und auch das Treffen an der Metro leicht. Kaum ein Mensch zu sehen. Die Metro war dann doch etwas gefüllter – mit Arbeitern und Wanderern.

Gegen 8h und nach einer weiteren Taxi-Fahrt trafen wir dann Nazgol und Amir (29).  Nach ein paar Einkäufen für den Tag ging es los, vorbei an gemütlichen Restaurants in die erfrischende Bergluft des südlichen Elburs. Kaum aus der Stadt draußen wurde das Kopftuch so weit nach unten gezogen, dass nur noch der Nacken vor der Sonne geschützt war. Nicht nur von Narnia und Nazgol, sondern auch von einigen anderen Frauen, die zusammen mit tausenden Menschen die selbe Idee hatten – dem strengen Alltag, der Hitze und der Stadtluft zu entfliehen. Überall gab es Picknick-Decken, immer wieder erfrischenden Wind, viele interessante Gespräche und trotz aller Reise-Vorbereitungen wusste ich nicht, was für nette Menschen im Iran leben. Das Land sehnt sich nach Freiheit. Religion war in Istanbul schon vor drei Jahren wesentlich präsenter als ich es hier in Teheran erlebe. Man nimmt hier den Muezin kaum wahr, sieht nur selten betende Menschen und fragt sich, warum es in jeder Metro-Station Gebetsräume gibt, die kaum genutzt erscheinen.

Insbesondere bei Narnia war eine große Neugierde zu spüren. Sie war kürzlich in Georgien, hat mit ihren 19 Jahren schon viele Kontakte in aller Welt geknüpft und vertritt Positionen, von denen sich auch viele Europäer eine Scheibe abschneiden könnten. Sie war vor zwei Jahren auf dem ersten offiziellen Rock-Konzert seit der Revolution 1979, wo aber tanzen weiterhin absolut verboten ist. Dies musste auch die Band immer wieder untersagen, weil sie sonst selbst Probleme bekommen hätte. Wenn man die Iraner so hört versteht man gut, dass Ruhani wieder gewählt wurde. Man spürt die Aufbruchsstimmung und das große Interesse an fremden Kulturen, auch an meinen Erzählungen von Reisen in anderen Ländern.

Natürlich war neben dem Kontakt zu den Iranern auch die Wanderung beeindruckend. Die karge Bergwelt kenne ich so nicht. Schöner, insbesondere was die Tierwelt angeht, war es sicherlich in Latein-Amerika. Eine Kohlmeise war schon neben ein paar Schmetterlingen das höchste der Gefühle. Mir scheint, die kulturelle und menschliche Komponente spielt hier die größere Rolle für mich. Aber ich komme jetzt erst richtig in die Berge, bin während ich schreibe sitze ich im VIP-Bus nach Fuman, auf dem Weg ins Bergdorf Masouleh im Nord-Westen – ein Tipp von Amir – und ich bin noch sehr gespannt auf die Städte südlich von Teheran und die Wüste.

Nach einigen Stunden anstrengenden Aufstiegs kamen wir auf ca. 2500m zur Berghütte Palangchal mit Unterkunft und einfachem Restaurant, wo es einen Eintopf mit Bohnen und Champignons für mich gab, wo manche aber auch mittels Gaskocher ihr eigenes Süppchen gekocht haben. Von hier aus geht es noch weit nach oben, aber wir mussten umkehren. Nach etwa drei Stunden Abstieg waren wir wieder unten, die Frauen wieder verhüllt, das ein oder andere schüchterne Getuschel bei anderen vernommen und ein paar nicht ganz heimliche Selfies mit europäischem Touristen geschossen.

Ich saß nun also mit Amir vorne im Bus, Narnia und Nazgol hinten. Als Nazgol und Amir ausgestiegen waren stand ich an der Abtrennung zwischen Frauen und Männer-Bereich. Narnia saß hinten und hat mir den freien Platz neben sich angeboten. Auf meine Zweifel meinte sie, das sei kein Problem. War es auch nicht, jedenfalls nicht für einen offensichtlichen Touristen. Kein Getuschel, keine schiefen Blicke.

Später in der Metro habe ich noch die Frage gestellt, ob ich Narnia zur Verabschiedung in der Metro umarmen kann. NATÜRLICH, was für eine blöde Frage… Die jungen Männer um uns rum haben dann aber doch ganz schön große Augen gekriegt. So normal ist es wohl doch nicht…

8. September 2017

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Restaurant am Stadtrand von Teheran
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Hunde sieht man selten, Zelte dafür oft

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Essbar, aber sehr mehlig

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Hier gehts über Treppen rauf
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Überall machen es sich die Menschen gemütlich

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Auf dem Rückweg

Rules are there… … to be broken. And so, on the second day, I sit in the womens area on the bus. Not because of the long hair, of course. But lets start at the beginning:

In the early morning at 6:15 a.m I am meeting Narnia (19) at a subway station. I had posted a public question on couchsurfing about a hike in the mountains. Nazgol (21) had answered and invited me to their small Iranian group. Friday is like our Sunday and walking through the empty streets of Tehran at 6am is a whole new experience. And also the meeting at the Metro station was easy. Hardly anyone else to see. The subway was more crowded – with workers and hikers.

Around 8 a.m. and after another taxi ride we met Nazgol and Amir (29). After buying a few things for the day we went to the refreshing mountains of the southern Alborz, passing cozy restaurants. Just outside from the city, the Hijab was pulled so far down that only the neck was protected from the sun. Not only from Narnia and Nazgol, but also from some other women, who had the same idea together with thoursands of other people – to escape from the harsh everyday life, the heat and the polluted city air. Everywhere there were picnic blankets, always refreshing wind, many interesting conversations and despite all travel preparations I did not know what nice people live in Iran. The country is longing for freedom, religion was much more present in Istanbul three years ago than I experience it here in Tehran. You hardly notice the Muezin here, only rarely see people praying and nearly wonder why there are prayer rooms in every metro station that are hardly used.

Particularly Narnia showed such a big curiosity. She was recently in Georgia, has already made many contacts all over the world with her 19 years, and she has opinions that many Europeans should still adopt to, even though we often feel so modern. It was two years ago that she went to the the first official rock concert since the revolution in 1979, still without dancing that is still strictly forbidden in Iran. The band also had to prohibit this again and again, because otherwise they would get into problems themselves. If you listen to the Iranians, you understand that Ruhani was re-elected. You can feel the break-up mood and the great interest in foreign cultures, even in my stories of travels in other countries.

Of course, besides the contact with the Iranians also the hike was impressive. I do not know such barren mountains. More beautiful, especially in the animal world, it was certainly in Latin America which is hard to top. A great tit and some butterflies were the best to see. It seems to me that the cultural and human component plays the major role here for me and even though I know Spanish far better than Farsi I have more contacts than in latin America. While I am writing this I am on the VIP bus to Fuman on the high mountains of Alborz, on the way to the mountain village Masouleh in the north-west – a tip from Amir – and I am still very desperate to see the cities south of Tehran and the desert.

Back to the hike: After a few hours of strenuous ascent we arrived at the Palangchal mountain lodge, about 2500m above see level, with accommodation and a simple restaurant, where there was a stew of beans and mushrooms for me. Even though it’s a restaurant some of the hikers also boiled their own Food with gas cookers. From here it is still far up, but we had to go back down to the city. After about three hours descent, we were back down again, the women again covered in the Hijab as much as necessary and I had noticed the one or the other timid whispering among other groups, as well as a few not quite secret selfies with the European tourists.

I sat with Amir in front of the bus, the girls in the back as it is the rule in Iran. When Nazgol and Amir had left I stood at the separation between women and men. Narnia sat behind and offered the free seat beside her. When I doubted she said that was no problem. And it was not, at least not for a western tourist. No whisper, no crooked eyes.

Later I asked the question whether I can hug Narnia in the metro for the farewell. OF COURSE, what a silly question … The young men around us got quite beautiful eyes and seemed very surprised. It was not normal at all …

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