Can I have a question?

Ja, natürlich. Hamed ist sich voll bewusst gewesen, dass Touristen von den vielen Fragen und Foto-Wünschen genervt sein können. Und doch hat er sich getraut. Er wollte mich fragen, was ich von einem Angebot für Touristen halte, das einen tieferen Einblick in das Leben der Einheimischen zulässt. Das Führer vermittelt und quasi als Mentor Touristen begleitet. Da der internationale Tourismus zunimmt ist das bestimmt keine schlechte Idee. Ich hatte das Glück, dies noch kostenlos zu bekommen. Auf meine Frage, ob er mir sagen könne, wo ich eine SIM-Karte fürs Handy bekommen kann, hat er mich begleitet. Gut so, denn es war doch recht kompliziert. In den ersten beiden Läden wurde es abgelehnt, aber mit Hinweisen, wo wir weiter fragen können. Im dritten Laden, mit einem jungen Mann und 6 jungen Frauen, war es dann doch möglich, aber nicht ohne Hamed als iranischen Ansprechpartner zu registrieren. Und nicht ohne ihn als Übersetzer. Und auch danach nicht problemlos. Offensichtlich will der Staat hier die Kontrolle behalten, denn es wurden Pass und Visum eingehend untersucht. Offensichtlich hatten die Damen erst die Passnummer angegeben, nicht die Nummer vom Visum und erst nach einigen Telefonaten wurde die SIM-Karte erfolgreich freigeschaltet. Das macht die Organisation der Reise doch einfacher.

Da nun aber auch hier die Anwesenheit eines Ausländers selten ist wurde viel getuschelt und gelacht, insbesondere nach Klärung meines Beziehungsstatus‘. Schließlich wurde mir – nicht aber meinem freundlichen Begleiter – noch ein Tee gebracht und diverse Süßigkeiten gereicht. Jetzt wollte ich zum Abschied noch ein Foto, was mit großer Freude allerseits dann auch gemacht wurde. Hamed hat es Ihnen schon 2 Tage später in digitaler Form vorbei gebracht. Wahrscheinlich hängt es jetzt irgendwo dort an der Wand.

Nun war viel Zeit vergangen und die Wahrscheinlichkeit noch den Nachtbus nach Tabriz zu bekommen eher gering. Also bekam ich das Angebot, bei Hamed zu übernachten, seine Eltern seien das schon gewöhnt. Also noch ein paar Sachen besorgt, Taxi gesucht und raus aufs Land. Hamed ist 26, 20 Jahre jünger als sein ältester Bruder, und lebt alleine mit seiner Mutter (74) und seinem Vater (81). Das Haus der Familie ist recht einfach. Es steht etwas erhöht inmitten eines größeren Grundstücks, wo es neben ein paar Orangenbäumen auch Kühe und Hühner gibt. Der Sockel ist rechteckig, eine kleine Treppe führt nach oben, wo ein großer, alter Perser-Teppich liegt. Von hier aus gibt es eine Tür in einen Multi-Funktionsraum (Schreibtisch, Kühlschrank, natürlich ein Teppich, ein paar Bilder und eine Nische mit Matten und Decken). Eine andere Tür führt in Küche und Wohnzimmer, das auch als Schlafzimmer der Eltern dient. Von dort geht es in einen Anbau mit Toilette und Dusche. Überall kann der Wind pfeifen, die Toilette hat nur ein Loch in der Wand nach draußen. Im Winter dürfte man hier gewaltig frieren, wenn es draußen kalt und nass wird, wenn auch hier mal Schnee fällt. Wenn man dann noch den Vater sieht, wie er kaum noch laufen kann, lieber durch die Gegend krabbelt, als sich die Mühe zu machen, aufzustehen, dann wird einem wieder bewusst, wie gut es einem selbst geht.

Hamed musste heute früh aus dem Haus, nach Rascht, zur Einschreibung an der öffentlichen Universität. Er wird die nächsten Jahre Englisch studieren, hat bereits einen Bachelor in Psychologie und will sein neues Business zusammen mit 3 Freunden eher nebenbei aufbauen. Während er also weg war habe ich noch mit dem Vater gefrühstückt und später mit der Mutter einen Tee getrunken, wo der Vater nach dem Versorgen der Tiere dazu kam. Ob die beiden glauben konnten, dass ich wirklich kein Wort verstehe? Geredet haben sie jedenfalls wie ein Wasserfall.

Als ich gerade das Ticket für den Nachtbus gekauft hatte bekam ich eine Nachricht von Hamed – er ist fertig. So konnten wir uns noch ein paar Stunden treffen, über Gott, die Welt und sein Business reden und ich konnte ihn noch in ein Restaurant einladen. Außerdem spare ich mir weitere Gedanken, ob ich meinen alten Schlafsack nach Deutschland schicke, denn der Rucksack ist doch schwer und jetzt geht es in warme Gefilde. Hamed kann ihn sicher noch gebrauchen. Ich glaube, es war ein wunderbares Treffen für uns beide. Can I have a question? Ja gerne!

Can I have a question?

Yes of course. Hamed was fully aware that tourists could be annoyed by the many questions and photo requests. And yet he has dared. He wanted to ask me what I think about a tourist offer that gives a deeper insight into the lives of the locals. That also brings Tourists and guides together and accompanies tourists as a mentor. As international tourism increases, that’s not a bad idea at all. I was lucky enough to get this for free. When I asked him if he could tell me where to get a SIM card for my cell phone, he accompanied me. That’s good, because it got quite complicated. It was rejected in the first two stores, but with hints on where to continue. In the third shop, with one young man and 6 young women it was possible, but not without Hamed being an Iranian contact person and translator. And even then it still caused problems. Obviously, the state wants to keep the control here, passport and visa were thoroughly investigated and only after a few phone calls, the SIM card was successfully unlocked. That makes the organization of the trip so much easier.

But since in Fuman the presence of a foreigner is very rare, there was a lot of whispering and laughing, especially after clarifying my relationship status. Finally, I was – and not my friendly companion – offered a cup of tea and a variety of sweets. This time it was me who wanted a photo with those nice Iranians, which was agreed with great joy on all sides. Hamed  share it digitally with them afterwards. Probably it hangs somewhere on the wall now.

A lot of time had passed and the chance to catch the night bus to Tabriz was rather low. So I got offered to stay with him. His parents were already used to it. So we bought a few things for supper, took a taxi and went out to his village. Hamed is 26, 20 years younger than his eldest brother, and lives alone with his mother (74) and his father (81).

The family home is pretty simple. It is a little elevated in the middle of a larger property, where there are a few orange trees, cows and chicken. The pedestal is rectangular, a small staircase leads up to a kind of roofed terrace where a large, old Persian carpet lies in front of the doors. From here there is a door into a multi-function room (desk, fridge, of course a rug, a few pictures and a niche with mats and blankets.) Another door leads into kitchen and living room, which also serves as parents‘ bedroom. There is an annex with a toilet and a shower, the wind whistles everywhere, the toilet has only one a hole in the wall without window. In winter, it is likely to freeze when it gets cold and wet outside. When you see his father, who can hardly walk anymore, prefers crawling around rather than bothering to get up, then you realize how well you are doing yourself.

Hamed had to leave the house early today, Heading to Rasht, for enrollment at the public university. He will be studying English for the next few years, has a bachelor’s degree in psychology already and wants to build the business along with 3 friends while studying. While he was away, I had breakfast with his father and later had a cup of tea with his mother, where the father came as well after feeding the animals. Could they both not believe that I really do not understand a single word? In any case, it ran out off their mouths.

When I had just bought the ticket for the night bus, I got a message from Hamed – he’s done. So we could meet for a few hours, talk about God, the world and his business and I could still invite him to a nice restaurant. In addition, I saved further thoughts if I send my old sleeping bag to Germany, because the backpack is heavy and now it goes into warm climes. Hamed can certainly use it. A wonderful meeting for both of us I think. Can I have a question? Yes for sure!

11./12. September 2017

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