Masouleh

oder wie man zum VIP wird…

Mit dem VIP Bus der Luxus-Klasse, zumindest was das Platzangebot angeht, ging es heute früh nach Fuman in der Nähe vom kaspischen Meer. Wären die Iraner nicht so hilfsbereit wäre ich auf der Suche nach dem Bus kläglich gescheitert. So einen großen Busbahnhof habe ich noch nie gesehen. Nicht mal ansatzweise. Ich glaube nicht, dass ich sehr falsch liege wenn ich schätze, dass dort allein am nationalen Terminal weit über 500 Busse Platz finden, zusätzlich zu den ganzen Stadtbussen. Aber wie die Iraner eben sind wurde ich bis zum richtigen Ort geführt, wo ich schon freudig erwartet wurde.

Auch die Busfahrt durch das Gebirge war sehenswert. Aus Geröll wurde langsam immer grüneres Land, das Dank der Nadelbäume teilweise gar nicht mehr so fremd gewirkt hat. Die letzten 30 Kilometer ging es über Landstraßen, mit freilaufenden Kühen und Hühnern. Der Fahrer wollte noch ein Foto mit mir machen, das er aber erst nach Stillstand des Busses bekommen hat. Der Beifahrer hat sich so gefreut, dass er mir auf die Stirn geküsst hat. Man kommt sich schon manchmal komisch vor, aber das Verhältnis zwischen Männern ist im Iran generell lockerer als bei uns.

Die Architektur in Fuman, von wo aus ich mit dem Taxi weiter fuhr, war sehr eigen. Fassaden zur Straße aus Marmor, zur Seite aus glänzendem Blech, ein paar Geschosse zu viel.

In Masouleh angekommen habe ich mich erst mal etwas über die Preise geärgert. Hier kam ich mir doch etwas veräppelt vor, denn das als günstig empfohlene Guesthouse, das seine Späher schon am Ortseingang bereit stehen hatte, wollte weit mehr als den Preis aus dem aktuellen Reiseführer. Das andere, vom Reiseführer empfohlene Hotel ist leer, mir wurde aber eine Unterkunft für weit über 20€ angeboten, die ihr Geld nicht wert war. Ein drittes Hotel hat mir schließlich für etwa 30€ und deutlich zentraler eine Ferienwohnung mit 5 Betten angeboten. Und mit kleinem Balkon und schöner Aussicht.

Masouleh ist ein Bergdorf, das Touristen aus dem ganzen Land anzieht. Sonst habe ich nur 2 Europäer gesehen und Janet getroffen, eine Frau aus Hongkong, die ich schon aus Teheran kannte. Begleitet von 2 jungen, etwas aufgedrehten Iranerinnen.

Das besondere an diesem Ort ist die Lage am Hang und die daraus resultierende Architektur. Die Dächer der Häuser sind die Terrassen und Wege der Nachbarn. Natürlich ohne Brüstung oder Geländer. Und zwecks Tourismus mit Basar und vielen Restaurants. Und eben vielen Iranern aus allen Ecken des Landes. Man könnte den Eindruck bekommen, sie hätten noch nie Europäer gesehen. Sie wollten Selfies mit mir, wissen, woher ich komme, wie lange ich bleibe und so weiter. Aber immer herzlich und zuvorkommend. Eine Familie hat auch über den Satz „I love you“ gesprochen, aber dazu kam es dann zum Glück doch nicht. Mein Essen war allerdings bezahlt, da konnte ich nichts mehr machen… Zum Glück ist außer Hotels alles andere wirklich unschlagbar günstig, sodass ich mich nicht ganz schlecht fühlen musste.

Aber damit nicht genug von Masouleh: am nächsten Morgen, nach gemütlichem Frühstück in der ungestörten Ferienwohnung habe ich mich wieder ins Getümmel gewagt. Nach Besuch eines Wasserfalls mit dem Drang nach einem ungestörten Ort bin ich etwas Bach-aufwärts gegangen. Hier haben mir meine Boulder-Künste im Bachbett geholfen. Nach kleiner Ruhepause habe ich noch den Panorama-Blick auf Masouleh gesucht, wo mir prompt ein junger Iraner helfen wollte. Oben angekommen habe ich eine Familie aus der Nähe von Masouleh getroffen, die mir schon vorher als besonders freundlich aufgefallen war und im Hotel Mehran in der Wohnung nebenan schlief. Unser Gespräch in Stichpunkten:

  • Ruhani: nicht gut, nicht schlecht
  • Ahmadinedschad: der Schlimmste
  • Merkel: Gut
  • Krieg: furchtbar – die Welt sollte einander lieben
  • Und natürlich viele Fragen an mich

Irgendwie kann ich mich mit der Einstellung der Iraner, die ich bisher getroffen habe, sehr gut identifizieren – naja mit Einschränkungen zu Merkel. Es war ein wirklich gutes Gespräch, die Kinder haben den Eltern bzw. mir übersetzt, wie es hier oft ist. Englisch steht aber wohl nicht auf dem Lehrplan. Dies wird vor allem in separaten Kursen gelernt.

Als Amin eine Frage stellt, bzw. die Frage deines Vaters übersetzt, fühle ich mich dann doch ein bisschen alt: Was gebe ich dem 16-jährigen Jungen mit auf den Lebensweg? – Hm, kurz überlegt, an die Teheraner gedacht und geantwortet: Stay curious – bleib neugierig. Das gefällt mir, wie wissbegierig die Iraner oft sind.

Offensichtlich hat den Eltern meine Antwort gefallen, denn noch bevor wir am Hotel ankamen haben sie eine Holzschale mit Deckel für mich gekauft, als Erinnerung an Masouleh und Amins wunderbare Familie. Widerstand: zwecklos.

Masouleh – or how to become a VIP

On the VIP bus of the luxury class, at least concerning the amount of space, I went to Fuman near the Caspian Sea. If the Iranians were not so helpful, I would have failed miserably in search of the bus. I have never seen such a big bus station. Not even remotely. I do not think I’m very wrong in estimating that there is space for more than 500 buses only at the national terminal, in addition to all the city buses. But as the Iranians are nice and helpful, I was led to the right place where I was already eagerly awaited.

The bus ride through the mountains was worth seeing. From rather empty mountains the landscape became slowly green and rich, which, thanks to the coniferous trees, looked quite familar to me. The last 30 kilometers the bus went on rural roads, with free-range cows and chickens. The driver wanted to take a picture with me, but he got it only after the bus stopped. The co-driver was so happy that he kissed my forehead. It sometimes seems strange, but the relationship between men is generally more relaxed in Iran than in Europe.

Arriving in Masouleh, I first got annoyed about the prices. Here I felt a little foolhardy, because the recommended guesthouse, which put his scouts already at the entrance to the village, wanted much more than my 2017 guidebook wrote. The hotel, also recommended by my book is closed, but I was offered a place for over 20 €, which was not worth the money. A third hotel, more central, finally offered a holiday apartment with 5 beds and a small balcony and a beautiful view for only a little more money.

Masouleh is a mountain village that attracts tourists from all over the country. Otherwise, I only saw very few Europeans and met Janet, a woman from Hong Kong I already knew from Tehran. Accompanied by 2 very nice, young Iranian girls.

The special thing about this place is the location on the hillside and the resulting architecture. The roofs of the houses are the terraces and paths of their neighbors. Of course, without parapet or railing. And with a bazaar and many restaurants. And a lot of Iranians from all over the country. One could get the impression that they had never seen Europeans. They wanted to take selfies with me, know where I come from, how long I stay, and so on. But always warm and accommodating. A family also talked about the translation „I love you“, but fortunately did not tell me. However, my food was paid, I could not do anything against… Fortunately, everything except hotels is really unbeatable cheap, so I did not have to feel very bad.

But that’s not enough of Masouleh: the next morning, after a leisurely breakfast in the undisturbed apartment, I ventured back into the fray. After visiting a waterfall with the urge for an undisturbed place, I went a bit further up the river. Here my bouldering skills helped me in the creek bed. After a short rest I looked for a panoramic view on Masouleh. Up the hill, I met a family from near Masouleh, who I met on the bazaar the day before and had already noticed they were particularly friendly and even where neighbors in hotel Mehran. Our conversation in bullet points:

Ruhani: not good, not bad
Ahmadinedschad: the worst
Merkel: Good
War: terrible – the world should love each other
And of course they had so many questions

Somehow I can identify very well with the attitude of the Iranians that I have met so far – well with restrictions on their attitude about Angela Merkel. It was a really good conversation, the children have translated to their parents or me as it often is here. English is probably not on the curriculum. This is especially learned in separate courses.

When Amin translated his father’s question, I felt a bit old: Which advice do I give the 16-year-old boy on his way to life? – Hm, briefly thinking about the people from Tehran and answered: stay curious. I like how many Iranians are very inquisitive.

Obviously the parents liked my answer because even before we arrived back at the hotel they bought me a wooden bowl with a lid as a souvenir of Masouleh and Amin’s wonderful family. Resistance: pointless.

10./11. September 2017

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