Toodeshk und die Wüste

Nach einer frühen Fotosession am Imam-Platz, dem 3. Besuch des Café Lefte am Haupteingang des Basars und einem letzten Basar-Bummel stand der Aufbruch auf dem Programm. Job hatte von einem Gasthaus auf dem Weg nach Yazd erzählt. Und da ich nach ein paar Tagen Stadt mal etwas Ruhe brauchen konnte bin ich mitgekommen.

Das Gasthaus war etwa eine Stunde Fahrt von Isfahan entfernt und die Entstehung klingt schon fast nach einem modernen Märchen. Mohammed hatte als 15-jähriger Junge und ohne englische Sprachkenntnisse Interesse an den oft schwer beladenen Fahrradfahrern gefunden und angefangen, diese einzuladen. Einer der glücklichen Radler hat dem Autor von Lonely Planet davon berichtet, der den Besuch bei Mohammed bald in den Reiseführer aufnahm. Als die Besuche regelmäßiger wurden fing er an, damit Geld zu verdienen, bei seinen Großeltern 5 Betten zur Verfügung zu stellen. Vor etwa 7 Jahren hat er dann mit der Sanierung eines baufälligen, traditionellen Hofhauses begonnen und seit 2 Jahren 25 Betten. Das Gasthaus betreibt er mit Eltern und Geschwistern. Über Tour-Angebote bietet er so auch anderen aus dem Dorf die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Und so ging es am Nachmittag noch zu Sanddünen in die Wüste, wo vor dem Sonnenuntergang noch genügend Zeit blieb, um barfuß durch den warmen Sand zu schlendern.

Leider musste Mohamed auch schlechte Erfahrung machen, als ein alleine Reisender Ire in Begleitung einer Prostituierten ein Zimmer wollte. Nach massiven Drohungen willigte er ein, beiden jeweils ein Zimmer zu bieten. Später bekam er Anrufe anderer Unterkünfte, wo offensichtlich erzählt wurde, er habe ihnen ein gemeinsames Zimmer vermietet – ein absolutes Tabu im Iran. Deshalb lässt Mohamed, wie auch viele andere Unterkünfte, keine Iraner mehr ein. Dies konnte ich schon in Teheran und Isfahan beobachten. Das Misstrauen gegenüber den eigenen Landsleuten, auch wenn es in diesem Fall eine sehr besondere Situation ist, ist eine der traurigen Schattenseiten Irans, denn es droht immer die Spitzelei in Unterkünften, die uns Ausländern ein paar mehr Freiheiten zulassen, die den Iranern aber absolut verboten sind.

Im Gasthaus war ich wieder mal der einzige Deutsche Tourist. Offensichtlich suchen sich die Deutschen Sparbrötchen wirklich nur die billigsten Unterkünfte, mehr als 12€ darf es im Iran wohl wirklich nicht kosten. Egal, mit Polen und Holländern kann man sich ja gut unterhalten. Und die Ruhe habe ich sehr genossen.

23. September 2017

Werbeanzeigen