Und noch eine Wüste

Gegen 3 Uhr nachmittags ging es in die Wüste. Die erste Strecke ging durch eine weite Fläche, die ein bisschen wie eine Schutthalde wirkt, wohl aber eher aus weißen Steinen besteht, die teilweise von gelbem Sand überzogen sind. Dann ging es weiter in die Berge zu einem kleinen Feuertempel. Die Anlage ist relativ neu, das Feuer aber alt. Hier zog sich der König zu seinem Schutz zurück, als Yazd islamisiert wurde.

Nach einer kurzen Besichtigung ging es zurück in die Ebene und in die Sanddünen, teilweise fest und gut befahrbar, teilweise wirklich nur vom Wind aufgehäufter Sand, den wir nur an einfachen Stellen ohne Begleitfahrzeug durchfuhren. Alireza, unser Fahrer, hatte sich so immer höher gearbeitet, bis wir den Sonnenuntergang in aller Ruhe bewundern konnten.

„Are you ready?“ war immer die Frage, wenn es zum driften ging. Oder auch bei engen Kurven oder eben oben am Steilhang. Dann ging es steil bergab.

Nach dem Abendessen hat sich Alireza bald schlafen gelegt, das katalanische Pärchen und ich sind noch einmal die Düne hochgelaufen, um den Blick in die Weite zu genießen. Ich bin früh zurück, denn unten war weniger Lichtverschmutzung, und ein paar Fotos vom Nachthimmel wollte ich doch noch probieren. 

Gefährliche Tiere? Kein Skorpion, keine Schlangen. Wenn dann der Wüstenfuchs, so hatte es Alireza gesagt. Als ich mit den Fotos fertig war und gerade schlafen gehen wollte stand er da. Als Silhouette auf einer nahen, niedrigen Sanddüne zu erkennen, mit Taschenlampe dann eindeutiger, aber auch das Weite suchend. Als ich auf der Düne war konnte ich ihn in ca. 100m Entfernung nur an den reflektierenden Augen erkennen. Wieder unten am Zelt konnte ich ohne Taschenlampe sehen, wie er näher kam. Bis er nur 5m entfernt war und ich noch einmal die Lampe nutzte. Eine wohl für uns beide spannende Begegnung, die auch ohne Foto in langer Erinnerung bleiben wird.

Für den Morgen hatten wir einen Gleitschirm gebucht. Wie letztes Jahr in Kolumbien hatte ich den Vortritt gelassen. Diesmal zu meinem Glück, denn der Wind war für mich besser. Da bezahlte Flüge auch hier nicht länger als 10-15 Minuten dauern war der Motor eine große Hilfe und hat uns Richtung Yazd bis über einen See gebracht, der malerisch zwischen den Sanddünen lag. Natürlich haben wir Alireza danach überredet, uns auch noch dort hinzubringen. „Only for Jakob, the German Lion“ – der Fahrer hatte irgendwie einen Narren an mir gefressen. Und nicht ohne mehrfache Warnung, das Wasser auf keinen Fall anzufassen. Die bunten Farben entstehen wohl nicht nur durch natürliche Salze, die Vögel hat das aber nicht interessiert.

26. September 2017