Yazd

Yazd, eine Stadt in der Wüste. Eine Stadt mit Jahrhunderte alter Handelstradition auf der südlichen Seidenstraße. Eine Stadt mit besonderer Ausstrahlung. Und eine Stadt mit extremen Temperaturen. Tatsächlich war es also auch im September noch drückend heiß.

Job und ich sind erst abends im Oasis-Hostel angekommen – müde und hungrig. Für die nächste Nacht habe ich eine weitere Wüstentour mit Übernachtung gebucht (Eintrag folgt), sodass auch am 2. Tag wenig Zeit für Sightseeing blieb, und dies nur in der Hitze des Tages.

Da es hier schon immer heiß war ist die traditionelle Architektur von Windtürmen geprägt, die über die Dächer der Hofhäuser ragen. Die Gassen sind schmal und verwinkelt, der Lehm erinnert mich immer wieder an Mali, auch wenn die Wände weniger organisch geformt sind und die Gassen teilweise durch Kuppeln oder Bögen überdacht sind, die Räume oder Terrassen tragen und dem Passanten angenehmen Schatten spenden. Auch sind die Hofhäuser oft mehrere Geschosse hoch, was aber nur innen wahrgenommen wird. Von einem Raum auf Straßenniveau, einer Art Schleuse, geht es in das Gebäude, das teilweise mehrere Geschosse in die Erde gebaut wurde, wo es kühler ist und wo ein Zugang zu den alten Bewässerung’skanälen Wasser und Kühle bietet und eine Lagerung von Lebensmitteln ermöglicht. Während die Türen eher schmucklos sind ist innen eine große Liebe zum Detail. Sei es die verzierte Fliese, die die Wände oben vor Regen schützt, sei es das glaslose Holzfenster, das durch seine Kleinteiligkeit vor Sonne schützt oder weißer Putz als Fries oder Stuck an Wänden, Decken und Kuppeln.

Gegen 15 Uhr ging es in die Wüste. Am nächsten Vormittag zurück ins Hostel, wo ich Sietzke und Renze, ein Paar aus Holland, zum mittlerweile 4. Mal getroffen habe. Immer zufällig. Und immer wieder gerne. Also sind wir, alle Architekten bzw. Studierende, zusammen durch die Hitze gezogen, nicht ohne das ein oder andere Café als Pausenplatz aufzusuchen, denn die Hitze ist wirklich ermüdend.

Yazd ist eine Stadt mit viel eigenem Charakter. Die Moscheen sind anderswo größer und Pompöser, der Basar oft aufregender, und doch hat mir wie schon in Kashan die Zeit gefehlt, den Ort in ausreichendem Maße zu erkunden, denn er ist sehr speziell und schön, es gibt noch viel zu entdecken. Mehr von der künstlerischen Szene, von den Bauwerken, von den Menschen. In dem Tempo war wirklich kaum Gelegenheit, Einwohner kennen zu lernen. Aber meine Reise neigte sich dem Ende zu, für Shiraz und Persepolis blieben nur noch knappe 2 Tage. Zu wenig Zeit, und doch bereue ich keinen einzigen Tag der Reise, denn jeder war es wert, wie er war. Ich muss wohl wieder hin.

26. September 2017

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