Chaukhi-Pass, Juta, Kaukasus, Georgien, Fernweh

Juta und der Chaukhi-Pass

„Hey Jakob, bist du noch dabei?“ Klar. Einen Tag nach Davit Gareja sind wir nach Stepandsminda gefahren, übernachteten und machten Besorgungen für eine Wanderung von Juta Richtung Roschka. Unser Ziel, früh aufzustehen, wurde durch die Öffnungszeiten der Geschäfte ad absurdum geführt. Nach einem Kaffee in einem ausrangierten Linienbus haben wir nach einigen Verhandlungen einen günstigen Taxifahrer mit einem alten russischen Kombi gefunden, der uns durch das wunderschöne Tal nach Juta brachte. Hier, wie an vielen anderen Orten im Land, wird die Straße ausgebaut. Der Tourismus boomt und das Land richtet sich dafür her.

Nach einem knackigen Anstieg kamen wir zur „Fifth Season“, einer relativ neuen Hütte mit Café, Hängematten und guter, aber in dieser Landschaft störender Musik. Also ließen wir nur unser Reise-Gepäck da und stiegen mit deutlich leichteren Rucksäcken weiter.

Nach einem guten Stück Wanderung bei nur leichtem Anstieg trafen wir am einem Wasserfall auf zwei junge Georgierinnen, die unser Vorhaben für verrückt hielten. Wir wollten zu drei verschieden farbigen Seen, die auf der anderen Seite des Chauki-Passes auf uns warteten. Je länger wir weiter stiegen, desto mehr rückte dies auch für uns in weite Ferne. Uns war das aber nicht so wichtig: mit jeden gewonnenen Meter verändert sich die Landschaft, wird der Blick spannender. Irgendwann kamen wir an einem Camp russischer Kletterer vorbei. Offensichtlich hatten die ihr Tagwerk erfüllt und Waren bereits beim Bier. Als wir unter dem letzten Anstieg standen musste ich der Höhe Tribut zollen – der Pass ist auf 3.300m und wir über tausend Höhenmeter über der Hütte. Ich ließ vorsichtshalber meinen Rucksack unten, um mit den anderen die Serpentinen über Schiefer-Geröll hoch zu steigen.

Während wir die ganze Zeit im Sonnenschein wanderten, war jenseits des Passes alles Wolkenverhangen. Nur der weiße See war zu sehen, der Grüne und der Blaue leider nicht. Da wir noch zurück zur Hütte mussten konnten wir keine lange Pause machen. Der Abstieg wurde noch lang, doch mit der sinkenden Sonne wurden die Berge und Felsen, die Gräser und Steine in ständig wechselnden Licht zur Belohnung für die Strapazen. Ein kleines Experiment sorgte noch für Aufregung, da unser Alternativ-Weg an einem schwer passierbaren Bach in der Wiese endete.

Mit den letzten Sonnenstrahlen auf dem Gipfel der Berge kamen wir an der Hütte an. Hier wollten wir noch kochen, was sich mit dem vielen Gemüse als lange Prozedur entpuppte. Als das Essen endlich fertig war wurde es schneller kalt als es gegessen werden konnte. Letztlich lagen wir aber glücklich und zufrieden in unseren Betten. Auf den Zelten der Hartgesotteneren Gäste lag am nächsten Morgen der Rauhreif einer sehr kalten, klaren und schönen Nacht in den Bergen.

19.09.2018