Gergeti-Gletscher, Kasbek, Stepantsminda im Kaukasus, Georgien

Gergeti-Gletscher

Nicht ganz so früh wie erhofft lief ich am Morgen nach der Zufallsbegegnung mit Sina um 7:15h los – diesmal den steileren der zwei Wanderwege. Dieser war aufgrund von Bauarbeiten und neu angelegten Böschungen nicht immer leicht zu finden, aber er dürfte dennoch Zeit gespart haben. Am Steilhang unter der Kirche angekommen erschien ihre Spitze im Sonnenlicht. Der Schatten der umliegenden Berge verschwand schnell. Eine Gruppe Israelis spielte das Lied „Take me to church“ von Hozier, ein Lied, das das Problem der Kirche mit homosexuellen Menschen thematisiert.

Oben angekommen habe ich erstmal gefrühstückt, begleitet von Martin aus Dortmund, der anschließend noch ein gutes Stück bis zum Pass mitkam, der den ersten guten Blick auf den Gletscher ermöglicht. Nach einer weiteren Pause verabschiedete er sich und es ging mit Gori und Anita aus Mannheim weiter – Gori gebürtig aus dem heutigen Serbien, Anita mit kroatischen Eltern. Beide waren in Turnschuhen unterwegs, ohne Stöcke oder Steigeisen – sie wollten nur bis zum Fuß des Gletschers. Da ich schnell merkte, dass Anita nicht so trittsicher war gab ich ihr meine Stöcke.

Da der Weg auf der App maps.me falsch ausgewiesen und der offensichtlichere Weg über einen reißenden Bach führte versuchten wir ohne Weg auf den Gletscher zu kommen – in Erwartung, den Weg von maps.me zu finden. Gori meist mit mir voran, Anita zögerlich hinterher. Da der Rand mit Schlamm und Steinen überzogen war glaubten wir, hier besseren Halt zu haben. Nachdem wir merkten, dass der Weg von maps.me nicht existierte hielten wir für eine Pause. Der Blick auf etwa 3.500m über dem Meeresspiegel war inzwischen traumhaft schön, die Fernsicht ließ nicht nur den Chaukhi-Pass erkennen, sondern auch noch Bergketten weit dahinter.

Bald merkte Gori, dass sie auch mit Turnschuhen guten Halt auf dem rauhen Eis hatte. So konnten wir den sichereren Weg über das weiße Eis zurück nehmen, bis die Zunge immer steiler wurde. In Sicht des richtigen Weges entschieden wir, an halbwegs guter Stelle den Bach zu überqueren, den wir dann aber wieder überqueren mussten. Bis hier war ich froh, dass uns allen nichts passiert war – ich hätte mir große Vorwürfe gemacht. Doch bei der letzten Querung des Bachs sprang Anita trotz Hilfe zu kurz und verletzte sich seitlich am Knie. Ohne zu jammern, aber doch sehr vorsichtig stieg sie uns hinterher. Es war schon spät geworden und der Weg noch sehr lang. Ich bat also Gori, Druck zu machen, schließlich kannte sie Anita besser als ich. Erst hinterher erklärte ich Anita, dass ich den Druck aufgebaut hatte, wir hatten zu wenig Licht dabei für das letzte Stück weg. Mit dem allerletzten Hauch Tageslicht stiegen wir den Steilhang über der Kirche ab, der mir die ganze Zeit sorgen bereitet hatte. Glücklich waren wir am Ende aber alle, und ein bisschen stolz natürlich auch. Und irgendwann muss ich auch noch auf den Gipfel in 5.047m Höhe. Aber ich muss so viel…

21.09.2018