Tiflis

Es ist schwierig, das erlebte einfach zusammen zu fassen. Die Stadt ist so vielfältig, allein dadurch, dass sie 27 bedeutende Herrschaftswechsel durchleben musste und dadurch viele verschiedene Einflüsse hatte. Die Stadt hat viel zu bieten, und doch war für mich das Land, die vielen schönen Wanderungen, das gute Essen, die Qualität von Obst und Gemüse und die tollen Begegnungen mit Georgiern und Deutschen das, was für mich die Reise so besonders gemacht hat.

Tiflis, das fällt sofort auf, ist eine Stadt voller Balkone. Die Stadt zwischen den Welten musste sich lange Zeit in engen Mauern eingeängt entwickeln und hatte wenig Freiraum. Diesen nahm man sich in Form von Balkonen. Auch als deutsche Architekten auf Einladung in Neu-Tiflis wirkten übernahmen sie zu den Innenhöfen dieses Element und prägten lediglich Grundrisse und Straßenfassade. Dies ist heute noch spürbar, auch wenn verschiedene Regierungen Ornamentik entfernen, Malereien überstreichen ließen, den Fenstern Gitter sowjetischer Gleichheit hinzugefügt wurden und auch immer wieder große Plattenbauten auftauchen. Dennoch konnte sich die Stadt alte Kirchen, manch Gebäude im Jugendstil, eigene Stilelemente und die Tradition persischer Badehäuser erhalten. Dazu kommen moderne Solitäre, die sich an westlicher Architektur orientieren. Wie schon vor über 100 Jahren wird deutlich, wie sehr man sich am Westen orientiert. Georgien wünscht sich den Beitritt in die europäische Union, was auch an der häufig gesehenen EU-Fahne gut erkennbar ist und Grund für die Grenzkonflikte mit Russland sein dürfte.

Deutlich lebhafter als deutsche Städte wirkt zumindest die Kernstadt, durch eine hohe Durchmischung von kleinen Läden jeglicher Art, Galerien, Restaurants, Cafés, Wäscheleinen, Weinstöcke und allgemein etwas Chaos aus Bäumen, Autos, Mülltonnen, Streetart und mehr. Auch Kinder spielen noch draußen, Sportplätze und Parks sind belebt.

Angenehm ist, dass man auch als Tourist halbwegs unbehelligt bleibt, solange man sich nicht zu nah an Taxen oder Touren-Anbietern aufhält. Auffällig ist auch, in ganz Georgien, dass es relativ wenig internationale Küche gibt. Die georgische ist zwar vielfältig und lecker, die Qualität oft sehr gut und günstig, aber ab und an wäre was weniger käselastiges auch ganz angenehm.

Mein persönliches Highlight in Tiflis hatte ich am letzten Tag. Ein verlassenes Gebäude, etwas versteckt hinter einem anderen, prunkvollen Bau an der sehr geschäftigen Rustaveli-Straße, die nach einem wichtigen Dichter Georgiens benannt ist. Das Gebäude war mir gleich am ersten Tag aufgefallen, ohne den Nutzen erkennen zu können. Die runde Fassade umschließt eine ovale Doppelhelix aus Rampen, die mehrere Geschosse nach oben führen, angedockt an einem massiven Baukörper und mit einer ovalen, überdachten Terrasse. Sina und ich beschlossen, nachdem ich ihr davon erzählt hatte, dass wir dies gemeinsam besichtigen und zogen morgens los. Unter dem Ende der einen Rampe ist ein kaputtes Fenster, durch das wir einsteigen konnten. Erst als wir oben ankamen und über dem massiven Baukörper standen verstanden wir, dass wir in der 1905 eröffneten Talstation der Seilbahn standen.

30.09.2018

Empfehlungen in Tiflis:

Café Hurma – Frühstück ab 9h, leckeres, vegetarisches Essen + Fisch- hinter dem Konzerthaus

Café Leila – leckeres, vegetarisches Essen, Restaurant im persischen Stil in der Altstadt

Café Stamba – gehobene Küche in altem Druckhaus, internationale Küche mit georgischem Einschlag. Etwas teurer, aber sehr edel und für Europäer gut bezahlbar

Amodi – Restaurant mit guter georgischer Küche, schöne Dachterrasse in der Altstadt

Bäckerei entrée, mehrere Filialen mit sehr guten Produkten, gutem Kaffee. Wenn es mal weniger georgisch sein soll.

Nomad Hostel – sehr gutes, neues Hostel, nicht zu weit ab vom Schuss, relativ ruhig

Fabrika – alte sowjetische Fabrik in Neu-Tiflis. Hipster-Place to be. Hostel, Party, Food, Coworking space, Start der Hidden-streets-Tour

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